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     Der Anti-Kanon – literarische Meisterwerke aus der untersten Schublade

»Kokain« (Pitigrilli, 1921)
Quelle: Matthes & Seitz (1979)

Alle Frauen sind Huren, nur nicht deine Mutter und deine derzeitige Freundin. Als ich diesen hier aus dem Gedächtnis zitierten Satz 1979 las – bei Pitigrilli, dem mir damals noch völlig unbekannten italienischen Autor, den Matthes & Seitz gerade mit zwei Publikationen gewürdigt hatte – konnte man nicht ahnen, dass ein algerischer Journalist namens Kamel Daoud fast vierzig Jahre später (am 18. Februar 2016) in der Süddeutschen Zeitung darauf Bezug nehmen würde, als er über jene Spielart des Islamismus schrieb, die er »pornographisch« nennt: »Ich will eine Frau kennenlernen, aber ich will nicht, dass meine Schwester die Liebe mit einem Mann kennenlernt. «

Dino Segre, wie Pitigrilli mit bürgerlichem Namen hieß, wusste um die unausrottbare Bigotterie der menschlichen Gemeinschaft – immerhin war er bei Dominikanern zur Schule gegangen ...

     Der Anti-Kanon – literarische Meisterwerke aus der untersten Schublade

»Der Wehrwolf« (Hermann Löns, 1910)
Quelle: Heyne (1976)

Hermann Löns' »Der Wehrwolf« liegt bei mir nicht in der untersten Schublade, sondern auf dem obersten Regalbrett im Wohnzimmer, wo niemand ohne Leiter drankommt. Da fristet das Buch ein weitgehend unbeachtetes Schattendasein. Zu den wenigen Freunden zählen Walter Flex' »Wanderer zwischen beiden Welten« und Ernst Jüngers »In Stahlgewittern«.

»Der Wehrwolf« ist also ein schwieriges Buch ...

     Der Anti-Kanon – literarische Meisterwerke aus der untersten Schublade

»Untot« (John Russo, 1978)
Quelle: Goldmann (1994)

Zweite Teile sind meistens Mist, schlaffe Nachklapps, die ihre Existenz lediglich dem Erfolg des Vorgängers verdanken.

Die Fortsetzung von »Die Nacht der lebenden Toten«, mit dem das bis heute anhaltende Zombie-Getorkel auf allen Kanälen begann, überrascht hingegen leidlich positiv. Die Rückkehr der modernen Ur-Zombies hätte man sich eigentlich sogar noch übler vorgestellt …

     Neuigkeiten aus der Redaktion, Der Anti-Kanon – literarische Meisterwerke aus der untersten Schublade

Liebe KRACHKULTUR-Sympathisantinnen und -Sympathisanten,

bald ist es wieder soweit: Eine neue KRACHKULTUR erscheint. Schwerpunktthema diesmal ist die PHANTASTIK. 

Wohl niemals zuvor war die Dichte an hochkarätigen Autoren, die Beiträge zur KRACHKULTUR beigesteuert haben, derart hoch (und teuer): Harlan Ellison, James Sallis, Zadie Smith, Dietmar Dath, Leif Randt u.v.a.m.

     Der Anti-Kanon – literarische Meisterwerke aus der untersten Schublade

»Das Plagiat« (Rex Stout, 1986)
Quelle: Goldmann (1986)

Rex Stout (1886 – 1975) war ein US-amerikanischer Schriftsteller, der den Privatdetektiv Nero Wolfe erfand: fett und reich, besessener Orchideenzüchter, mit Koch und Butler und Assistent in New York lebend. Aus der Perspektive des Letzteren werden die Fälle erzählt. Archie Goodwin ist für das Profane zuständig, Nero Wolfe das unnahbare Genie, schrullig, launisch, gebildet ...